Sonntag, 11. Oktober 2015

Der rote Mond Der Tag X


Otto ist schon seit längerer Zeit ausgezogen, er lebt in Hannover. Er ist nicht verloren, er kommt häufig vorbei, aber im Alltag ist sie allein mit den beiden Alten, Scheintoten, Untoten, es ist so trostlos. Hier, beim Mittagessen, streiten die Zwei. Es geht um Erikas Führerschein, Erika spricht ja schon lange nicht mit ihrem Vater, sie überlässt es ihrer Mutter für ihre Interessen zu streiten. Erika spürt ihre Feigheit, will das aber nicht wahrhaben, also hört sie lieber interessiert zu, wie ihre Mutter ihre Interessen vertritt. Der Streit verläuft in den üblichen Bahnen, die Zwei offenbaren ihre Lieblosigkeit zueinander, es wird um Prinzipien gestritten, das Geld ist ja da.
Plötzlich ist Erika berührt, es gibt keinen besonderen Anlass, Erika war schon hundertmal dabei, wenn ihre Eltern streiten, aber jetzt ist sie schockiert. „Das ist ja furchtbar, wie ihr Zwei miteinander umgeht!“ Sagt sie mit brüchiger Stimme und vom Entsetzen verzerrtem Gesicht, während sie vom Mittagstisch vorzeitig aufsteht um in ihr Zimmer zu rennen. Heulend schlägt sie die Tür zu, macht laut Musik an, setzt sich auf ihr Bett und überlässt sich ihren Gefühlen. Sie ist noch ganz mit sich, vordergründig mit ihren Eltern, beschäftigt, haltlos weinend, als ihre Mutter hereinkommt. Die Mutter schreit gegen die Musik an „Kind, was ist denn, was ist denn los?“ „Ich weiß auch nicht, das macht mich gerade so fertig, wie ihr miteinander redet…“ schreit Erika und macht endlich die Musik leiser. Sie weint weiter laut schluchzend, die Situation wird absurd, die Mutter fängt auch an zu weinen, beide weinen aus Mitgefühl mit der Anderen. „Was bin ich für eine schlechte Mutter, dass ich meine Tochter nicht trösten kann.“ Erika meint dass es hier nicht mehr weitergeht, sie sagt: „lass mal, Mutter, ich fahr zu meinem Freund.“ So beendet Erika die Situation und verlässt das Haus. Ihre Mutter wird sich zum Mittagsschlaf hinlegen, wie es ihre Gewohnheit ist.
Bei ihrem Freund kann Erika die Sache mit ihren Eltern schnell beiseite schieben. Nicht, weil sie ihrem Freund so zugetan ist, sondern, weil es dort so lebendig ist. Die Familie sitzt noch beim Mittagessen als sie dort ankommt. Ihr Freund hat jüngere Geschwister, Erika setzt sich dazu, alle reden freundlich miteinander. Später räumen alle zusammen die Küche auf, Erika will sich einreihen, bekommt aber keine Aufgabe, sie steht nutzlos im Türrahmen und schaut dem Treiben zu. Ihr Freund ist ganz nett, naja, solala, sie nennt das Beziehung, eigentlich ist das nur eine Bekanntschaft. Das ist schon bezeichnend, wie sie da im Türrahmen steht: die Familie lässt sie nicht richtig rein, auch ihre Beziehung geht nicht richtig ab, sie kommen nicht in die Tiefe, in Erikas Kopf schlummert die Frage, wie sehr das wohl an ihr liegt. Das Telefon klingelt, erstaunlicherweise ist es für Erika. Verwundert nimmt Erika den Hörer. Es ist Corinna: „Erika! Deine Mutter hat Tabletten geschluckt und ist auf dem Weg ins Krankenhaus, komm mal nach Hause!“
Ihr Freund hat ein Mofa. Erika hängt mit einer Hand an seiner Schulter die andere Hand am Lenker. So kommt sie mit ihrem Fahrrad schnell und ohne Anstrengung nach Hause. Den ganzen Weg über redet sie laut mit sich selbst: „das Schwein…“, „der Arsch“, „so ein Arschloch“

SIE GIBT IHREM VATER ALLE SCHULD

Zuhause wartet Corinna und erzählt ihr alles was sie weiß. Der Vater wollte um halb drei Kaffee trinken, aber die Mutter war nicht auf. Er ging zu ihrem Zimmer, aber es war abgeschlossen. Also klopfte er und sagte ihr durch die Tür, dass es Kaffeezeit ist und sie jetzt aufstehen muss. Da sie nicht reagierte, klopfte und rief er immer lauter. Erikas Vater bleibt dran, bei was immer er tut. Er klopfte und rief; und rief und schimpfte und klopfte; und er hätte wohl auf seine alten Tage auch noch die Tür eingetreten, aber das war nicht nötig. Die Mutter stand irgendwann auf und öffnete, legte sich aber gleich wieder hin. Der Vater sah die vielen leeren Tabletten Schachteln und rief gleich den Krankenwagen. Corinna hat aus ihrem Fenster den Krankenwagen gesehen und ist gleich rübergerannt um zu schauen, was los ist. Jetzt geht sie wieder nach Hause, der Vater ist mit ins Krankenhaus gefahren, Erika ist allein.
Die Brüder kümmern sich, Erika ist mal wieder die Kleine, sie fährt auch einmal mit ins Krankenhaus, aber sie muss abseits warten, während ihr ältester Bruder mit der Mutter spricht. Die Mutter verschwindet direkt aus dem Krankenhaus nach Köln, zu ihrer Schwester. Dort bleibt sie. Manches wird Erika erzählt, den Rest puzzelt sie sich alleine zusammen. Sie kommt der Wahrheit wahrscheinlich recht nah: Die Mutter hat sich zum Mittagsschlaf hingelegt, wie es ihre Gewohnheit ist. Aber sie war in einem ungewohnten Zustand. Sie haderte mit sich und ihrem Leben. „Was bin ich für eine schlechte Mutter, dass ich meine Tochter nicht trösten kann…“ Damit ist sie allein in ihr Zimmer gegangen und da hat sie weitergemacht, hart mit sich im Gericht, untröstlich. Das Leben vertan, nichts richtig gemacht, eine Aneinanderreihung falscher Entscheidungen…und so weiter. Irgendwann hat sie ihre Schlaftabletten zusammen gesucht und alles geschluckt was da war….und dann kam der Vater und hat geklopft…


Das ist jetzt ein neues Leben: Vater und Tochter allein in einem großen Haus. Nach kurzer Zeit wird Erika krank, Gehirnhautentzündung, sie kommt ins Krankenhaus, dort bleibt sie erst mal für drei Wochen. So löst man keine Probleme, aber es ist ein Aufschub. Sie kommt zurück in die gleiche Situation, sie ist allein mit ihrem Vater

Montag, 5. Oktober 2015

Roter Mond


Fatma und Erika, Erika schaut sich das gerne an. Da gibt es doch diese Geschichte von Aristoteles, oder war es Platon? Egal. Der Mensch, ursprünglich als Kreis, dann zerbrach er und nun sind die zwei Teile immer auf der Suche nacheinander. Fatma und Erika haben sich gefunden! Erika fühlt sich rund und voll, wenn sie an Fatma denkt, oder mit ihr zusammen ist. Die Unterschiede sind auch so faszinierend, Fatmas Herkunft, ihre Eltern, da gibt es viel zu bedenken. Erika hat eine ganz eigene Philosophie über Menschen: sie sind ein Puzzle. Da gibt es die Kinderpuzzle mit 100 Teilen, da gibt es die Tausender, die sind die Regel und es gibt Zehntausender. Sie  hält sich für ein 10000 er, Fatma ist ganz sicher einer und Erika puzzelt gerne. Jede noch so kleine Information, die sie von Fatma bekommt, wird zum Puzzlestein und vielleicht schon einsortiert. Erika kann die großen Löcher in dem Bild gut aushalten und hat viele Steine am Rand liegen.
Eva, die Mutter, der Hammer! Sie ist engstirnig, irgendwie kleingeistig, dabei trotzdem lebensklug. Wie das geht versteht Erika nicht, sie ist immer wieder verblüfft von Eva. Eigentlich findet sie Eva ja doof und dann muss sie doch anerkennend zurücktreten um Eva Platz zu machen. Diese Energie, so lebensfreudig, Eva baut ihren Weg mit Kopfsteinpflaster. Sie ist emsig dabei, schaut zuweilen stolz auf das Erreichte, Hindernisse, die sich ihr in den Weg stellen, geht sie beherzt an.  Der Vater, er sieht aus wie der 1a-Türke: dunkle Haare, großer, dunkler Schnurrbart, drahtig, samstags liegt er unter seinem 200er- Bauern-Mercedes, um ihn in Schuss zu halten. Er ist sehr zugeschlossen, Erika kann sich nur ein Bild von ihm machen, weil Fatma von ihm erzählt und sie hört das Gezänk, sein türkischer Bass dröhnt zwischen den schrillen Tönen von Eva. „Mama sagt, Sex ist das Wichtigste in einer Ehe.“ Der Satz ist von Fatma und verwirrt Erika noch mehr. Das sind doch alte Leute, warum haben die noch Sex und wie geht das mit dem vielen Streit. Dann ist da noch die Gewalt. Fatma wird gezüchtigt, wenn sie sich nicht fügt. Fatma hat einen unglaublichen Willen und bietet ihrem Vater immer wieder die Stirn, nimmt die Züchtigung in Kauf. Wenn Fatma Erika ihre Blessuren zeigt, spürt Erika nur Hass. Sie will Fatma schützen, fühlt Ohnmacht und schimpft endlos. Erika versucht Beistand zu leisten, indem sie Fatmas Eltern klein macht, sich herablassend über sie äußert, oder einfach Hasstiraden loslässt. Fatma lässt Erika labern, vielleicht tut ihr das gerade gut.

Oft hört Erika auch Stolz aus Fatmas Worten über ihre Eltern. Ja, es ist schon irgendwie nachvollziehbar, dass Fatma auf ihren Vater stolz ist. Er hat sich voll etabliert in der Gesellschaft, man könnte denken, er hat sich angepasst. Studium in Deutschland, guter Job, viele Freunde, die Ehefrau, die er liebt, zwei Kinder, die weitgehend auf der Spur sind. Soweit sieht das sehr gut aus. Dabei ist er aber auch er selbst geblieben und geht seinen eigenen, gut überlegten Weg zwischen Orient und Okzident. Die Gewalt an Fatma hindert Erika das zu bewundern. Acar pickt aus beiden Kulturen das für ihn Richtige heraus und lebt damit sein Leben. Fatma kann das an ihrem Vater sehen und anerkennen. Sie ist stolz auf ihn. Sie ist auch stolz auf ihre Mutter, auf deren Klugheit. Erika meint ja, dass Evas Gehirn höchstens die Größe einer Walnuss hat, manchmal stimmt Fatma ihr da zu und manchmal äußert sie sich eben doch stolz über ihre Mutter. Fatmas Eltern haben sich in Deutschland kennengelernt, Fatma ist auch in Deutschland geboren. Dann haben sie aber doch erstmal einige Jahre in Istanbul gelebt. Erika mag das sehr, wenn Fatma von dieser fremden Welt erzählt. Eva hat damals mit ihrer Familie bei den Schwiegereltern im Haus gelebt. Das ist eine von Evas großen Stärken: aus widrigen Umständen das Beste machen, sich einfinden in ein System, in einer fremden Kultur. Sieben Jahre lang waren sie in Istanbul und es ist Eva zu verdanken, dass Fatma dann in Deutschland direkt ins Gymnasium gekommen ist. Sie hat Fatma gezwungen jeden Abend in der deutschen Fibel zu lesen.
Da ist aber nicht nur Stolz, Fatma ist mit ihren Eltern in Liebe verbunden und sie ist natürlich auch ein junges Mädchen, das in Deutschland heranwächst, ganz normal pubertär. Sie hat  Mittel und Wege gefunden, ihre Eltern zu leimen, wie mit den Kaffeebohnen, zum Beispiel. Ihr Familienleben spielt sich auf einem hohen Energielevel ab.
Erika vergleicht.
Die Energie bei ihr Zuhause scheint deutlich weniger, irgendwie ist alles viel subtiler. Ob subtil der richtige Ausdruck dafür ist? Oder ist es sublim? Oder einfach alt? Erikas Vater könnte Acars Vater sein, Erikas Vater ist einfach alt. Wenn die großen Brüder manchmal Geschichten erzählen, wie der Vater sich früher aufgeführt hat, dann ist Erika schon ganz zufrieden, dass er inzwischen einen schweren Herzinfarkt hatte und sich nicht mehr so aufregen darf.
 Sonntags, nach dem Mittagessen, passiert es, dass Alle sitzenbleiben müssen, weil der Vater von früher erzählen will. Erika kann diese Geschichten nicht interessiert anhören, weil sie sich so gezwungen fühlt. Er war als junger Mensch ein Draufgänger, amüsiersüchtig, lebenslustig. Von dieser Zeit, noch vor dem zweiten Weltkrieg, erzählt er gern. Wie sie damals, bevor sie zum Trinken und Feiern los wollten, erstmal eine Dose Ölsardinen aufgemacht haben. Nachdem sie die Ölsardinen gegessen haben, haben sie das Öl getrunken, nur damit sie mehr und länger trinken können. Wie sie in Friedrichshagen unterwegs waren, Köpenick unsicher gemacht haben, solche Geschichten. Wenn Erika mit ihrer Mutter einen alten Film im Fernsehen anschaut, dann sagt die Mutter manchmal: „guck mal, mit der Schauspielerin war dein Vater mal zusammen.“ Er war ein Hans Dampf in allen Gassen. Dann kamen die Nazizeit und der Krieg. Die Geschichten von der Zeit sind irgendwie schemenhaft. Er war wohl in Jugoslawien, hat da Fabriken gebaut. Für wen? Für die kroatischen Nazis? Da war doch auch Krieg, Kollaborateure, Widerständler, auch dort wurden Juden ausgerottet. Erika guckt mit ihren Eltern „Holocaust“ im Fernsehen. Der Vater scheint schockiert, er hat von alldem nichts gewusst, er war doch im Balkan. Die Mutter sagt „ja, ja.“ Erika kann sich keinen Reim darauf machen. Eine Auseinandersetzung geht anders, welche Rolle hatte ihr Vater? Kann er wirklich so unwissend gewesen sein, oder will er etwas für sich behalten? Erikas Interesse für ihren Vater ist so gering, dass sie nicht nachhakt.
Dann doch lieber die Mutter. Das kann Erika gut gebrauchen. Die Mutter ist ja protestantische Pastorentochter, bekennende Kirche, christlicher Widerstand. Das ist eine Herkunft, auf die kann Erika sehr stolz sein, aber ihre Mutter hindert sie daran und spricht von der allgemeinen, deutschen Schuld. Erika darf nicht aufs Podest und sich rühmen, aber so im Nebensatz kann sie das schon mal erwähnen, Bonhoeffer und so. Die Mutter ist sehr eindringlich: „wir alle tragen die Schuld.“ Das Thema ist für Erika besonders wichtig, immer wieder denkt sie darüber nach. Wie konnte das passieren? Welche Position würde sie einnehmen, wenn sowas wäre, würde sie „Heil Hitler“ brüllen? Sie träumt davon, dass sie im Widerstand wäre, das ist ja auch der Kontext aus dem sie kommt, aber sicher ist sie sich nicht. Der Holocaust, das ist ein Thema, das sie ganz nah an sich heranlässt. Da muss man hinspüren, meint sie, vielleicht ist es doch zu groß für sie, zum Spüren. Jedenfalls ist sie ganz und gar betroffen und ganz stolz auf ihre Herkunft, ihre Mutter, ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat, der aber auf dem Photo so ernst und freundlich aussieht.

Natürlich macht Fatmas Beziehung zu ihren Eltern einen Teil des Puzzles aus, an dem Erika bastelt. Bemerkenswert ist, wie viele unterschiedliche Gefühle Fatma zu ihren Eltern hat, sie gibt Erika immer wieder neue Steine in die Hand. Erika bastelt, gleichzeitig ist sie bemüht Fatma das nicht merken zu lassen, Fatma möchte nicht durchschaut werden, vom Durchschauen ist Erika allerdings noch weit entfernt und wird dieses Bestreben auch irgendwann aufgeben. Erika will sehen, sie will eine aufmerksame Zuhörerin sein, sie will Fatma einen guten Spiegel zeigen, das Bild soll Fatma nicht zu sehr reduzieren. Fatma ist ja wild, das findet Erika toll, manchmal aber auch beängstigend. Mit Kritik muss sie sehr vorsichtig sein. Dazu hat sie sich was Gutes überlegt, das klappt bisher hervorragend: wenn sie Fatma etwas über sie sagen will, was vielleicht nicht so toll ist, dann schickt sie viel Anerkennung voraus. Sie sagt also zum Beispiel: „weißt du, Fatma, was ich gut an dir finde, ist 1. blabla… außerdem 2. blabla… und dann kommt noch dazu , dass du 3. blabla… Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass deine ….blabla…vielleicht nicht so gut ist. So schützt Erika sich und wird gleichzeitig ihrem Anspruch an sich gerecht. Sie will eine gute Freundin sein, das hat viele Aspekte. Einer davon ist Ehrlichkeit, dass man auch mal was Negatives sagt, Kritik übt. Aber Erika hat auch Angst vor der wilden Indianerin mit dem Giftpfeilköcher, die in Fatma immer mal durchscheint. Die Pfeile dürfen schon gerne mal abgeschossen werden, aber bitte nicht auf Erika. Also balsamiert sie Fatma fett ein, bevor sie ihr Kritiklein abgibt. Fatma nimmt das so gerne hin, sie suhlt sich in der fetten Anerkennung und hat gleichzeitig die Ohren offen, um die Kritik noch zu hören. Sie fühlt sich nicht angegriffen, die Waffen ruhen, sie fragt nach und setzt sich mit Erika und ihrer Kritik auseinander.
Fatma und Erika haben unendlich viele Themen, das Gespräch ist eigentlich nie langweilig. Sie reden zum Beispiel gerne über Philosophie, Erika mag das sehr. Fatma hat Geschichte Leistungskurs, da wurden die griechischen Philosophen sehr ausgebreitet. Erika hat nur ganz privates Wissen über Philosophie, einfach weil sie gerne über das Leben nachdenkt, auch über die Menschen und warum wohl alles so ist, wie es ist. Dabei hat sie natürlich kein einziges Buch in die Hand genommen. Ohne den Begriff zu kennen, diskutiert sie den kategorischen Imperativ, das Moralkonzept aus ihrer Muttermilch. Fatma kann ihr angelesenes Wissen unaufdringlich erläutern, so kommen griechische und preußische Philosophie in den Vergleich. Das Thema macht beiden immer wieder Spaß. Auch über die neue deutsche Geschichte reden die Zwei. Bei diesem Thema wird Erika sehr emotional, ihre Herkunft, ihre Betroffenheit, sie diskutiert sehr eindringlich. „Wir sind verantwortlich, dass sowas nie wieder passiert. Fatma, sechs Millionen Juden wurden in Europa ausgerottet, das ist doch unfassbar…und alle behaupten, sie hätten davon nichts gewusst. Alle haben sich schön eingerichtet in dem System, warum sind sie nicht an ihre innere moralische Grenze gestoßen, wenn nebenan die jüdischen Nachbarn abgeholt wurden? Nein, sie haben das Haus noch schnell zum Vorzugspreis gekauft! Innere Verrohung als Gemeinschaftsprojekt! Was waren das für Mechanismen, die da gewirkt haben? Aus aufrichtigen Menschen sind Kakerlaken geworden, die sich gegenseitig auffressen. Das Alles macht mich so fertig und ich stecke in der Schuld fest.“
 „Dann mach dich doch frei von der Schuld! Du hast damit doch gar nichts zu tun. Es geht doch darum, sich im Jetzt umzuschauen und darauf zu achten, dass sowas nicht wieder passiert, wie du eben ja selbst schon gesagt hast!“
„Nein! Wir müssen da ganz genau hinschauen: was ist passiert, wie konnte das passieren. Keine Distanz! Juden wurden ja schon vorher jahrhundertelang diskriminiert, da wurde von den Nazis ein Weg geteert, der schon lange ausgetreten war. Wie ist eigentlich meine innere Einstellung gegenüber Fremden? Muss ich da was überprüfen? Wir müssen uns in das Thema versenken, richtig einlassen; und immer mit der Schuld ganz vorne, um Distanzierungen zu vermeiden. Ich bin schuldig!“
Fatmas Gesicht verändert sich zu einer angewiderten Fratze: „Du gehst mir so auf den Keks mit deiner Schuld. Und im nächsten Moment schreist du –nicht schuldig- weil du dich zu deiner tollen bekennenden Kirche zurückziehst. Du drehst dir das alles immer hübsch zurecht, wie es für dich gerade passt. Lass mich in Ruhe mit der Scheiße!“
Erika läuft davon. Sie muss Weinen. Sie schwingt sich aufs Fahrrad und fährt weinend durch das Viertel, der Weg ist egal, sie braucht die Bewegung, sie braucht Entfernung vom Tatort. Fatma hat mit der Armbrust auf sie geschossen. Erika fühlt sich schwer verletzt und doch im Recht, weinend klagt sie Fatma hier auf dem Fahrrad an. Fatma versteht das alles nicht richtig! Sie ist ja nur zur Hälfte Deutsche, sie muss die Schuld nicht so schwer tragen, weil sie sich auf ihr Türkisch sein zurückziehen kann. Das ist keine Entlastung, sondern erklärt nur ihr Unverständnis. Ok! Was war denn mit ihrem deutschen Opa? Vielleicht ist das der Grund für den Schuss! Aber da wird Erika besser mal nicht nachfragen. Fatma ist so ungerecht, warum ist sie sooo verletzend? Vielleicht hat sie sich von Erika in die Enge getrieben gefühlt, oder hat Erika das mit der Schuld wirklich zu sehr geritten? Erika ist inzwischen auf leeren Feldwegen außerhalb der Stadt unterwegs. Der Wind trocknet die Tränen auf ihren Wangen. Plötzlich ist sie empfänglich für die Schönheit der Gegend. Raps und grüner Roggen, oder was für Getreide mag das sein? Schwarz-weiße Kühe auf fetten Wiesen, ein D-Zug nach Bremen rattert an ihr vorbei, dann ist es wieder friedlich, nur der Wind rauscht in ihren Ohren. Sie radelt weiter und hört zu, wie ihr innerer Dialog ruhiger wird. Sie hört Fatmas Erklärungen für den Ausraster. Die Wunde heilt, aber es wird eine Narbe bleiben. Wie wird sich Erika weiter verhalten? Sie wird sich weiter bemühen, dass Fatma friedfertig bleibt, aber sie wird sich dabei keinesfalls verbiegen. Nun ja, sie braucht nicht gleich morgen wieder mit Fatma über den Holocaust zu reden, aber vielleicht irgendwann. Dann vielleicht mit zitternden Knien, aber das ist ja egal. Sie mag Fatma, so wie sie ist. Es gibt diese gegenseitige Anerkennung, auch der Unterschiedlichkeiten. Einmal sagte Fatma: „Erika, du bist harmoniesüchtig.“ Das war eine gute Information für Erika, da war keine Wertung, einfach die Information. Fatma liebt Erika mit ihrer Harmoniesucht, Erika liebt Fatma mit ihrem Zorn.


Samstag, 26. September 2015

Der rote Mond Der Tanzkreisel

Mit Thomas, das ist einfach schön. Er hat Zeit für sie, er ist amüsant, er interessiert sich für sie. Sie ist zwar anfangs noch unsicher, aber er badet sie in Öl und sie kann immer mehr loslassen. Sie hält sich an Silke H.  „Wenn er dein Freund wäre…“ Sie will nichts riskieren, unterdrückt also konsequent ihren Beziehungswunsch und verhält sich nur freundschaftlich. Auf dieser Ebene kann sie sich sehr einlassen und er macht es ihr so leicht. Er hat immer Zeit für sie, ist immer liebevoll und akzeptiert alles, was sie von sich zugibt. Er sitzt auch ganz oft abends in der Kneipe, wenn sie kommt. Also auch dort wird er zum sicheren Hafen für sie. Er ebnet ihr den Weg, wenn er da ist, kann sie alle Sorgen über Bord schmeißen und ihre Freiheit genießen: einfach rauslassen, ohne zu überlegen! Ok. Genau, das ist ein Teil ihrer Freiheit: einfach agieren und sich selber dabei zuschauen, der Zensor ist im Keller eingesperrt. So ist Thomas, diese wunderbaren braunen Augen, so warm.

Nachmittags hören sie Musik bei ihm und unterhalten sich. Das ist meistens nicht besonders tiefschürfend, das Interesse gilt der Musik. Thomas unterrichtet sie in Musik, aber sie empfindet das nicht als Unterricht. Sie hören zusammen die Musik an, er macht sie auf besondere Beats oder Gitarrensoli aufmerksam, sie sagt was ihr gefällt. Dann mischt er ihr eine Kassette zusammen, die sie mitnimmt und zu Hause anhört, bis sie Bandsalat produziert. Er schult ihr Ohr, die Musik wird immer komplizierter. Sie merkt, dass er ihren Geschmack akzeptiert, trotzdem sagt sie ihm nicht, dass sie sich die Platte von Mothers Finest gekauft hat. Baby Love. Das haut rein. Das geht voll in die Beine, nein, in den ganzen Körper, sie kann sich zu dem Rhythmus schütteln wie eine Besessene. Da spürt sie Hingabe ohne Selbstverlust. Diese Musik ist so kraftvoll, so lebensbejahend und dadurch auch so befremdlich. Erika könnte das Lied ewig anhören. Sie spürt, dass ihre Sehnsucht dahingeht, sie möchte einen Mann so lieben, sich so hingeben, das so kraftvoll erleben. Und das macht so ANGST. Darüber möchte sie nicht mit Thomas reden. Also reden sie weiter über Eric Clapton und Steppenwolf, das ist auch interessant. Er erzählt ihr auch vom Kiffen. Sie ist sehr interessiert. Sie möchte ja am liebsten die ganze Welt probiert haben, noch bevor sie 20 ist. Wieder macht er ihr alles ganz angenehm. Sie sitzen bei ihr im Zimmer, er dreht den Joint, angenehme Musik, zu Essen, zu Trinken, er hat an alles gedacht. Sie ist natürlich ein bisschen aufgeregt, oder freudig erregt, auch ängstlich. Bei aller Sicherheit, die er ihr gibt, will sie natürlich immer noch gefallen. Freiheit, ja ja, aber das Gefallen steht weiter im Vordergrund. Drogen assoziiert sie mit Kontrollverlust, aber natürlich ist Thomas der sicherste Hafen, den man sich dafür vorstellen kann, also unterdrückt sie ihre Sorgen und zieht an der Tüte. Der Nachmittag wird super. Sie können sich über alles schlapplachen, es ist so kurzweilig, im Handumdrehen ist es Abend und sie gehen in die Kneipe, um den Rausch mit Bier abzurunden. Vom vielen Lachen hat sich eine grinsende Maske in ihrem Gesicht festgesetzt, die sie jetzt in die Kneipe trägt. Sie fühlt sich wissend und erfahren, sie kennt sich aus mit Drogen.
Erika liest den Steppenwolf von Hesse. Sie will sich bilden, mitreden können, hatte Thomas ihr das Buch empfohlen? Etwas atemlos kämpft sie sich durch die Seiten. Atemlos und gleichzeitig träge gelangweilt. Was ist mit diesem Haller/Wolf? Was will der eigentlich?  Genauso schlau wie vorher klappt sie das Buch am Ende wieder zu. Von eigenen Bildungsimpulsen nimmt sie erstmal wieder Abstand. Sie hat nicht gemerkt, dass sie in dem Buch eigentlich in den Spiegel geschaut hat

Jetzt hat sie doch eigentlich alles beisammen. Aus der Schaukel ist ein Netz geworden. Sie hat die Freunde, die sie will, mit Otto ist sie in guter Verbindung, die Welt könnte in Ordnung sein. Sie traut sich den Köpper in den Abgrund, sie weiß, da ist ein gutes Netz, das ihren Sprung sanft auffängt. Aber sie bleibt verhaftet in ihren Strukturen. Es bleibt dieses unstillbare Sehnen. Sie macht immer wieder neue Leute ausfindig, wo sie um Anerkennung kämpfen muss. Sie findet neue Gipfel, die sie erklimmen muss, immer sieht sie sich in einer Unzufriedenheit, im Mangel.

Ihre Beziehung zu Fatma hat sich sehr angenehm entwickelt. Erika ist sehr vertrauensvoll und hat den Eindruck, dass Fatma ein gutes Gespür für sie hat. Fatma selbst ist auch so lebenshungrig, dabei aber nicht so gierig wie Erika. Fatma hat zu vielem Lust: Kiffen, Ausgehen, neue Leute, neue Länder. Bei all dem aber, kennt sie ihr Maß und bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Eigentlich ist sie der Pflock und Erika der Gaul. Das Bild ist zu lustlos. Fatma ist die Sonne und Erika der Planet. Jedenfalls umkreist Erika Fatma, die geerdet ist und ziemlich klar ihren Weg geht. Fatma lässt sich von Erika gerne mitreißen, Möglichkeiten eröffnen, Horizonte verschieben, aber sie weiß immer was ihr guttut. Erika weiß das nicht, wie ein Tanzkreisel, der aus dem Lot ist, eiert sie immer größere Ellipsen, auf der Suche nach Grenzen, die sie nicht akzeptieren wird, durchbrechen will. Für diese Mauern, die sie unbedingt einreißen will, verbraucht sie ihre Energie. Fatma steht ihr bei, in dem Schlamassel, schaut zu, lässt sich unterhalten, sammelt Erika ein, wenn sie zu fertig ist fürs Leben

Samstag, 19. September 2015

Der rote Mond Die Kröte

Fatmas Worte schwingen noch lange in Erika nach. Der Schwerpunkt verschiebt sich langsam. Immer öfter denkt Erika daran, was Fatma über ihr Verhältnis zu Otto gesagt hat. „Otto ist in seiner Anmache beliebig…“ Wie genau Fatma hinschaut! Wenn Erika das Gefühl hat, dass ein Junge auf sie abfährt, dann schnappt sie zu wie eine Kröte. Wenn der nur halbwegs akzeptabel wirkt, dann ist sie dabei. Wie die Kröte trägt sie ihn auch auf dem Rücken, wenn das nötig ist. Aber anders als die Kröte lässt sie sich nicht wirklich ein. Alles Mögliche hindert sie. Äußerlich ist sie Beziehung, allerdings auch meistens nur für zwei bis drei Wochen. Dann ist der Zauber schon wieder vorbei. Der Zauber ist keineswegs zauberhaft. Wie geht Zweisamkeit? Welchen Anforderungen muss Erika da eigentlich gerecht werden? Sie müsste sich öffnen und einlassen. Wie üblich kommt sie gar nicht dazu, darüber nachzudenken. Sie agiert kräftig herum, folgt ihren Eingebungen, alles schmeckt irgendwie schal. Das Bild: „ Erika hat einen Freund“, bleibt schemenhaft. Da war Einer, den hatte sie im Schwimmbad aufgegabelt. Nicht schlecht, der wohnte ein Dorf weiter, hatte sonst mit ihrem Leben gar nichts zu tun. Da konnte sie sich ganz unauffällig probieren. Er wollte ständig ins Bett, Petting. Sie war da nicht lustvoll, sondern nur mit ihrer Scham beschäftigt. Er ja auch, aber sie schämte sich, oder nein, sie konnte die Blöße nicht aushalten. Anstatt darüber zu reden, ging sie einfach nicht mehr hin.

Ein Anderer war aus ihrer Klasse, ein blasser, langhaariger Hungerturm. Sie verbrachten einige Wochen miteinander, da kam nicht viel von ihm. Aber der ließ sich nicht so einfach abschütteln, Erika musste richtig Schluss machen. Das hatte sie noch nie und der Vorsatz allein trieb ihr schon den Schweiß aus den Poren. Die Sache zog sich hin, nur weil Erika es nicht auf die Reihe bekam, ihm zu sagen, dass es aus ist. Wenn sie zu ihm hinging, es ihm zu sagen, ging schon ihr Hals zu. Irgendwann presste sie dann die Worte aus dem zugeschnürten Hals. Es war in der Kneipe, er saß ganz entspannt neben dem Flipper auf dem Fensterbrett.  Die Luft war schnell weg: „Ich mag nicht mehr…ich mach Schluss!“ Die letzten drei Worte versiegten atemlos. Er schnellte vor, machte scheinbar ein bestürztes Gesicht: „was?“ Die Schuld, oder was war es? Erika konnte das nicht aushalten, sie rannte davon. Es dauerte nochmal einige Tage, bis sich herausstellte, dass er ihre Worte einfach akustisch nicht verstanden hatte. Sie musste also noch mal Schluss machen. Beim zweiten Mal ging es dann schon leichter und hat auch geklappt. Langsam dämmerte ihr, dass sie besser nicht alles mitnimmt, schon allein, weil es manchmal schwierig ist, da wieder rauszukommen. Aber natürlich steht sie auf dem Schlauch. Alle ihre Nöte: Anerkennung, geliebt werden, Zweisamkeit und so weiter, könnte sie mit einer Beziehung lindern. Aber eine Beziehung ist nun mal etwas Öffentliches. Wenn sie versucht mit dem „Fremdblick“ auf ihre Jungs zu schauen, dann kann keiner standhalten. Ihr Kerl muss eigentlich so sein, wie ihre Brüder, er muss was hermachen, er muss groß sein, dominant, ein Alpha-Wolf, ein Leittier. So gesehen sind das kleine Fuzzies, peinlich.

 Sie war bei ihrer Tante zu Besuch, in der Nähe von Nürnberg. Der Freund von ihrem Cousin hat sie angebaggert, da hat sie sich eingelassen. Das ist okay, der ist weit weg, das hat einige Vorteile. Es gibt keinen Fremdblick, sie muss sich nicht ständig Verhalten, sie kann sich sehnen. Er schreibt ihr viele Briefe, das ist schön, da fühlt sie sich geliebt, eigentlich. Die Anrede im Brief ist immer „Hallo Engelchen“. Aha. Das hört sich nett an, sie selbst fühlt sich schwerfällig, linkisch und burschikos. Das ist weit weg von „Engelchen“. Aber ein bisschen fühlt sie sich auch geschmeichelt. Und er sieht sie, manchmal mehr als ihr lieb ist. Nürnberg ist ja nun mal näher als Südtirol. Sie schafft es schon öfter mal dahin, auch übers Wochenende. Er holt sie am Bahnhof ab, ja, er ist sehr zugewandt. Schon nach wenigen Minuten, im Auto, sagt er: „was bist du denn schon wieder so kratzbürstig?“ Erstmal ist sie sprachlos, sie wird so sehr gesehen, dass es an Blöße grenzt. Sie kämpft ein bisschen um Kontrolle, dann ist sie noch kratzbürstiger, er lässt das liebevoll über sich ergehen. Noch bevor sie bei ihm zu Hause, oder bei ihrer Tante ankommen, ist sie glücklich. Sie fühlt sich gesehen und akzeptiert. Er kann sie lassen, sie braucht das Zurückweisende, Kratzbürstige, bevor sie sich öffnen kann. Das hat sie aber erst durch ihn erfahren. Er ist heilsam für sie und zu ihren Gefühlen für ihn mischt sich Dankbarkeit.

Da kann sie sich aufhalten, sie übt „Beziehung“ in homöopathischen Dosen. Sie empfindet das als nicht öffentlich und er gibt ihr viel Sicherheit. Unsicher ist immer nur der erste Moment, wenn sie bei ihm im Auto sitzt und konfrontiert ist. Nachher gewöhnt sie sich, sie verbringen einige Tage zusammen und dann fährt sie wieder nach Hause. Daheim kann sie sich sehnen, in ihren Träumereien kann er nichts falsch machen; und diesmal hat sie wirklich einen Freund. Daneben hat sie Zuhause ja immer noch alle Räume offen. Treue ist für sie wirklich ein Fremdwort, das ist ein leerer, bedeutungsloser Begriff. Sie hält die Augen offen. Sie glaubt, dass ihr Herz so groß ist, dass sie mehrere Jungs gleichzeitig lieben könnte. Mit Thomas geht es auch weiter, aber Erika verhält sich freundschaftlich. Das ist sicheres Terrain. Da kennt sie sich aus. Sie kann eine sehr gute Freundin sein.

Samstag, 12. September 2015

Der rote Mond 16.05.79

Der Platz am Schreibtisch, sie guckt aus dem Fenster. Der Blick über die Rasenfläche zur Straße. Wie immer passiert da gar nichts. Sie guckt weiter und streicht gedankenverloren über die Oberfläche ihres Schreibtischs. Innerlich ist sie mit ihrem Absturz ins Bodenlose beschäftigt. Nicht liebenswert, nichts Besonderes, Erika, das unförmige, leere Fass.  Doch heute ist etwas anders. Sie fühlt den Lack auf dem Holz des Schreibtischs. Den Schreibtisch hat Otto ihr zu Weihnachten geschenkt. Es ist ein kleiner, alter Zeichentisch, den der Vater schon vor langer Zeit aus seinem Büro aussortiert hatte. Eigentlich ist es nur eine Holzplatte, die auf einem soliden Bock liegt. Otto hat die Platte lackiert. Erika findet ihren Schreibtisch wunderschön, und wie sie über die Platte streicht, sieht sie Otto beim Herrichten. Sie sieht Otto lackieren und lächeln. Sie sieht, wie er sich drauf freut, ihr eine Freude zu bereiten. Sie kann sein großes Herz sehen. Sie spürt seine Liebe und ihre eigene. In ihrem bodenlosen Absturz ist da plötzlich eine Liane, an der sie sich halten kann. Sie kann kurz verschnaufen und sich orientieren. Fatma! Erika liebt Fatma und sie hofft, dass sie für Fatma wichtig ist. Schwups, da ist die nächste Liane. Aus zwei Lianen kann sie sich eine Schaukel basteln. Sie war schon immer eine Akrobatin. Sie schaukelt über dem gefährlichen Abgrund. Otto und Fatma! Es ist doch alles gut! Auch wenn sie sich in sich selbst verliert, die Beiden, die sie liebt, finden in ihr was, was sie nicht sehen kann. Aber sie kann doch vertrauensvoll sein.
Es ist eine Konstruktion, das ist ihr klar. Aber das ist völlig egal, Hauptsache sie findet Halt in ihrem Absturz. Da muss was sein, auch wenn sie es nicht weiß, wenn die Beiden sie mögen…das reicht doch. Da kann sie entspannt schaukeln.
Otto macht schon wieder eine Party. Heute können sie es ordentlich krachen lassen, die Eltern sind über Nacht außer Haus. Ein lauer Frühlingsabend, die Party steigt nicht im Keller, wie sonst meistens, sondern im Garten. Obwohl es keinen besonderen Anlass gibt, sind wieder alle Freunde und Bekannte anwesend. Es gibt Bier und endlos Wein aus des Vaters Weinkeller, auch über seine Schnapsbar hat der Vater keinen Überblick mehr, die Freunde können sich bedienen. Die Küche ist so voll mit Leuten, dass man kaum noch durchkommt, aber das kennt man ja, alle stehen am Trog. Michael ist mal wieder frühzeitig voll und kotzt ins Waschbecken. Tja, nicht schön, der Abfluss ist verstopft. Ekki rührt mit dem Finger das Erbrochene in den Ausguss, er lächelt und sagt jedem, dass ihm das nichts ausmacht. Glaubwürdig, er will Medizin studieren, da muss er mit Körperflüssigkeiten und sowas auskommen. Erika beteiligt sich ausnahmsweise nicht an der allgemeinen Aufregung. Sie schlendert mit Fatma durch den Garten. Fatma ist bei diesen Gartenfeiern zurückhaltend, ihre Eltern könnten hinter der Gardine stehen und alles beobachten. Erika passt das gut, sie will Fatma sowieso für sich haben, außerdem hat sie heute ein besonderes Anliegen: „du hör mal, Fatma, ich muss dich was fragen! Ich muss jetzt mal genau wissen, wie das ist, mit unserer Freundschaft!“      „Was soll sein, wir sind Freundinnen.“     „Ja, ja. Ist schon klar. Aber Freundin und Freundin ist nicht das Gleiche. Ich will wissen, welche Bedeutung ich für dich habe. Du bist mir wichtig. Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann, das bedeutet mir viel.“ Erika muss unauffällig dreimal tief atmen, um ihre Aufregung zu kontrollieren. So stellt sie sich einen Heiratsantrag vor. Sie hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, jetzt hat sie Angst vor der Antwort. Fatma überlegt nicht lange: „weißt du, Erika, für mich ist unsere Freundschaft was Besonderes, ich kann das aber nicht in Worte fassen.“  Erika pustet. Glück kribbelt durch ihren Körper, aber jetzt ist sie schon dabei, jetzt macht sie das noch zu Ende: „Okay, das ist gut. Jetzt will ich noch wissen, wie das mit Otto ist. Mal kommst du zu mir, mal zu Otto. Wer ist dir wichtiger?“   „Ja, der Otto. Mit Otto, das macht Spaß. Otto ist lustig und das Gekuschel mit ihm ist nett und prickelt angenehm. Aber Otto ist beliebig in seiner Anmache. Er probiert nur so ein bisschen herum, ich fühle mich nicht wirklich gemeint. Dein Bruder ist toll, klar, aber er ist nicht der Typ Mann, auf den ich abfahre. Wir probieren ein bisschen herum mit Körperlichkeit und Nähe, und da ist auch was Eigenes, Otto und Fatma. Aber das steht in keinem Vergleich, zu der Bedeutung, die unsere Freundschaft hat. Du und ich.“   Erika ist still. Sie überlässt sich dem Kribbeln. Fatmas Sätze schwingen angenehm durch ihr Gehirn…du und ich…..kein Vergleich….Das tut gut. Erika schwebt über den Rasen. Das ist auch sowas schönes an Fatma: sie muss nicht quatschen. Sie kann Stille aushalten, oft redet sie nur, wenn sie wirklich was zu sagen hat. Erika kann sinnloses Gequatsche nicht ausstehen. Davon wird ihr manchmal ganz flau im Magen. Erika gibt sich ganz dem Wohlgefühl hin, immer noch lässt sie die süßen Sätze durch ihr Hirn wabern. 16.05.79, vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.               
Beide gehen zurück auf die Terrasse und überlassen sich dem Partygewusel. Da sind genügend interessante Jungs. Erika amüsiert sich großartig, ein wunderbarer Abend. Fatmas Worte haben sich wie Schlagsahne auf ihre Seele geschmiegt.

Als Erika am nächsten Morgen in die Küche kommt, ist Otto schon da und hat schon mit dem Aufräumen begonnen. Wortlos gesellt sich Erika dazu. Sie würde zwar viel lieber ihren Kater pflegen und erstmal in Ruhe frühstücken, aber sie weiß genau, was Otto jetzt von ihr erwartet. Sie setzt Kaffee auf und sammelt leere Flaschen ein. Dabei verschafft sie sich einen Überblick über das Chaos. Auf dem Sofa im Wohnzimmer schnarcht Michael, sonst sind keine weiteren Schnapsleichen auffindbar. Auf dem grünen Teppich ist ein großer Rotweinfleck, da muss eine Flasche umgefallen sein. Erika holt als erstes Wasser und Salz um dem schon angetrockneten Fleck beizukommen. Alles muss relativ schnell gehen. Gegen Mittag wird Tante Erna hier aufschlagen. Sie kommt immer am Sonntagmittag, sie ist die Schwester vom Vater und liebt es ihn mit Informationen zu versorgen. Wenn bis dahin nicht alles fertig ist, wird sie wortlos den Lappen nehmen und helfen. Das macht einen netten Eindruck, sie ist ja auch nett, aber Otto und Erika wollen unbedingt alle Spuren beseitigen bevor sie kommt. Also Konzentration und Eifer! Mit dem Schädel ist das gar nicht so einfach. Die gröbsten Spuren zuerst, dann die Kreise immer feiner ziehen, kleine Unregelmäßigkeiten können ja schon mal sein. Nach zwei Stunden sieht alles schon ganz gut aus, Erika weiß, dass sie Ottos Anforderungen entsprochen hat, jetzt kann sie sich ganz entspannt der Zweisamkeit mit ihm beim Frühstück hingeben. Was für ein wundervolles Wochenende                                                                                                                                                                                     

Montag, 7. September 2015

Herbstsonate

Ich muss gerade dran denken, wie meinem Kind damals fast etwas zugestoßen wäre. Oh, Mann, das war knapp. Wenn ich daran denke wird mir ganz komisch, Herzklopfen, Druck im Hals, da will was in mir platzen… Naja. Es war ja nichts, die Anderen hatten gut auf sie aufgepasst… ich muss dankbar sein. Die Vorstellung, dass ihr etwas zustößt, ist viel schlimmer, als was immer mir zustoßen kann. Ich möchte ihre Seele einbalsamieren, auch für alles, was ich ihr angetan habe. Unwillentlich, unaufmerksam, getrieben von unguten, unreflektierten Gefühlen. Die eigene Mutter ist der größte Feind des Kindes. Nicht Feind, Antuer. Wenn ich diese These in meinem Freundeskreis aufstelle, besonders bei Müttern, ernte ich keine Anerkennung. Ich werde niedergemacht. Alle gegen Einen. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit mein Statement angemessen auszubreiten, die Empörung ist zu groß.
Und doch, die meisten Narben, die sie hat, werden wohl von mir sein. Wenn sie mal älter ist, stelle ich mir das vor wie bei der „Herbstsonate“, dem Film von Ingmar Bergmann. Ich kann mich gar nicht so genau an den Film erinnern, aber vielleicht wird es auch mal so eine richtige Auseinandersetzung geben. Wohlmöglich bekomme ich dann irgendwas vorgehalten, an das ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann, das sich ihr aber tief eingegraben hat. Ich sollte mir den Film mal wieder anschauen,  ich habe das Equipment nicht, sonst würde ich ihn direkt jetzt einschalten. Vielleicht fände ich ihn strunz langweilig. Wie das so ist, mit alten Filmen, manchmal. Ich erinnere mich jedenfalls, dass meine  Mutter den Film damals furchtbar fand: „hach…schrecklich!“ Das  allein macht mich ganz neugierig. Ist der Film wohl nah an der Wirklichkeit? Meine Mutter hatte es ja nicht so mit der Wirklichkeit, sie liebte die Illusion, fand immer jemanden, der sie ihr bestätigte. Ja, kann sein, der Film war desillusionierend: eine Mutter, die ihr Bestes gibt, alles versucht, und das dann von der Tochter um die Ohren gehauen bekommt. Und warum bin ich da so eifrig neugierig? Ich bilde mir wohl mal wieder ein gut abzuschneiden. „Ach, Mama, du bist doch die Beste!“ Jede Mama, egal was sie macht, ist zeitweilig die beste Mama der Welt. Kinder werden kritiklos geboren, distanzlos auch und eben auch schutzlos. Sie sind ungeschützt ihrer Mutter ausgeliefert. Ich weiß, ich erzähle keine Neuigkeiten, vor Jahrzehnten hat Alice Miller das schon alles geklärt. „Am Anfang war Erziehung“ , ein toller Titel. Jetzt amüsiert es mich, in der Erinnerung, wie sehr sie sich über das vierte Gebot ausgekotzt hat. Danach, viel später, kam dann Hellinger: ohne Wurzeln keine Flügel. Beides finde ich wahr, zusammen ist es wahr. Ich stehe in der Mitte. Ich habe eine Mutter und eine Tochter. Beide Beziehungen versuche ich klar zu sehen. Mit der Mutter scheint es schon ordentlich abgearbeitet. Ich fühlte mich so lange so liebevoll angebunden. Ich war schon einiges über 20 und brauchte auch noch Hilfe von Freundinnen um mal genauer hinzuschauen. Ein Prozess, von dem ich immer noch nicht das Gefühl habe, dass er abgeschlossen ist. Klarheit, über das, was sie mir angetan hat, im besten Gewissen; und gleichzeitig die Drehung zur liebevollen Zuwendung. Ich sehe eine verknorzte Wurzel, das ist eine Turnübung für Schlangenmenschen! Oder ein eineinhalbfacher Rittberger von 10 Meter Turm. Klarheit beim Absprung, dann die Wurzelübung, Eintauchen in der liebevollen Zuwendung. Das unfassbar Traurige ist, meine Mutter lebt zwar noch, ist aber nicht mehr erreichbar, jedenfalls nicht für solche Gespräche. Ich bleibe mit all dem für mich. Ich kann sie auch mit meiner Liebe nicht mehr finden, oder ich kann meine Liebe kaum noch finden. Vor einigen Tagen hatte ich einen Traum: Wir saßen hoch über dem Meer, schauten auf das sonnige Blau, ich war erbost über meinen Bruder. Meine Mutter machte mitfühlende Grunzlaute, an denen ich erkennen konnte, dass sie meine Gefühlslage versteht. Gleichzeitig wusste ich, dass sie sehr alt ist und bald sterben wird. Von meinem verzweifelten Schluchzen wachte ich auf. Ich musste noch ein bisschen in meinem Bett weinen. Dann verblasste das Bild. Meine Mutter ist sehr alt und wird hoffentlich bald sterben. Sie wünscht sich das, ich wünsche ihr das. Ihr Leben strengt sie an und bereitet ihr keine Freude mehr. „Es ist einfach ekkelhaft…“, sagt sie. Ihre Demenz kommt unauffällig aus allen Ecken, macht sie klein, sie kämpft um Kontrolle. Komplexe Gedanken kann sie schon lange nicht mehr denken, oder verstehen. Wie lange, weiß ich nicht, aber ich habe den Moment verpasst. Nach Vaters Tod hatte ich mir geschworen, dass mir das nicht wieder passiert: dass mir ein Mensch wegstirbt, ohne dass die wichtigen Dinge ausgesprochen wurden. Schon vor einiger Zeit musste ich mir eingestehen, dass es wieder passieren wird: sie wird sterben, ohne dass wir über die wichtigen Dinge gesprochen haben.

Eifrige Neugierde habe ich das vorhin genannt. Falsch. Dieses Gespräch habe ich mit meiner Mutter verpasst. Mit meiner Tochter soll es stattfinden. Das wünsche ich mir. Eifer wird mir da nicht helfen, ich denke, den Zeitpunkt legt sie fest. Und neugierig bin ich auch nicht. Ich wünsche es mir einfach

Sonntag, 30. August 2015

Der rote Mond Hauptsache es knallt

Gehen Sie zurück zum Anfang, gehen Sie nicht über los. Also wieder die Tauchübung. Erika taucht, sie hat keine Schwimmbrille auf, sie sieht wenig, kennt den Weg nicht, hört nichts. Sie bekommt keine Luft.
Sie merkt nichts, oder wenig. Sie kann das alles nicht realisieren, sie kann nur den Schmerz unter dem Deckel halten. Das Leben geht weiter. Ihr kaltes Herz modert in ihrem Bauch, da spürt sie keinesfalls hin. Erika lebt nur noch eine flache Scheibe von sich, so wie ihre Mutter. Aber die hat richtige Schicksalsschläge hinnehmen müssen.
Erikas Mutter war sieben Jahre alt, als ihre eigene Mutter starb. Als Kind konnte Erika das Mitgefühl kaum aushalten, wenn ihre Mutter davon erzählte. Erika fühlt sich  ganz stark an ihre Mutter gebunden. Die Mutter war erst 19, als dann auch ihr Vater starb. Das war ein anderer Vater als Erikas. Die Mutter spricht mit liebevoller Ehrfurcht von ihrem Vater. Erika stellt sich immer vor, wie allein gelassen und voller Trauer ihre Mutter damals in der chaotischen Welt stand. Das war ja Chaos pur: Nazizeit, Krieg, Vertreibung, Besetzung. In all dem Durcheinander fand ihre Mutter den Mann ihres Lebens. Horst. Der heilige Horst. Erika hat sich viel von Horst erzählen lassen. Der absolute Gutmensch. Die Zwei haben geheiratet, die Mutter war zweimal Schwanger, beide verloren, und bald danach hat Krebs den Horst dahingesiecht. Erika sieht nur Trauer und Verlust, wenn sie sich die Jugend ihrer Mutter anschaut. Als Kind konnte sie das gar nicht aushalten, inzwischen hat sie sich daran gewöhnt. Die Cognacflasche steht schon immer in der Küche über der Spüle, das macht Erika ihrer Mutter auch nach. Aber Cognac mag sie nicht, sie trinkt Martini oder Apfelkorn, Hauptsache es knallt. Ihre Mutter ist flach, Erika kann das verstehen, nimmt es ihrer Mutter nicht übel. Ihre Mutter hat sich abgeschnitten, von ihren eigentlichen Gefühlen. Man muss wohl zu Horsts Grab gehen, um den Rest von ihrer Mutter zu finden. Vordergründig kann man keinen Mangel erkennen. Ihre Mutter ist liebevoll und empathisch. Aber wenn man genau hinschaut, erkennt man den Rückzug vom Leben, die tiefe Trauer, die sie umflort und eben, dass sie ganz flach ist, abgeschnitten von ihren Gefühlen, die sie ausmachen.
Nein nein, Erika vergleicht sich nicht mit ihrer Mutter, das ist unmöglich. Und doch hat Erikas kleine  Geschichte sie zerrissen und nun macht sie es ihrer Mutter nach, trinkt, taucht und schneidet sich ab. Das kleine Fitzelchen Selbstbewusstsein, das in letzter Zeit gewachsen war, ist mit zersplittert. Erika sitzt wieder in ihrem Zimmer und macht den Köpper in den Abgrund, bodenlos. Sie hätte Peter fragen können, warum es so gekommen ist. Aber sowas macht sie nicht. Wenn sie sich verletzt fühlt, zieht sie sich sofort ganz zurück. Das ist wie ein Reflex, geht ganz schnell, da hat sie keinen Einfluss. Also kann sie nur raten, aber sie rät nicht mal, sie bezieht es einfach voll und ganz auf ihre Person. Sie ist nicht liebenswert. Das ist die einzige Lehre, die sie aus der Geschichte ziehen kann, aber sie hat den Deckel drauf und zieht ihn mit Apfelkorn fest.
Das Leben geht weiter. Otto macht weiter seine tollen kleinen Zusammenkünfte, es kommen immer mehr Leute. Da ist Einer, Thomas, braune Augen, lebendiger Typ, lustig. Diese schönen, braunen Augen schauen auf Erika. Kann der was von Erika wollen? Dieser coole Typ? Sie verabreden sich für den nächsten Tag. Erika geht ihn besuchen. Sie unterhalten sich, hören Musik, ein paar Küsschen sind wohl auch dabei. Am Montag in der Schule ist es das Erste, was Erika herausposaunt: „Ich habe einen Freund!“ Ihre Klassenkameradinnen wollen alles ganz genau wissen, Erika verspricht, dass sie ihn in der großen Pause sicherlich zu sehen bekommen, da er ja auch hier Schüler ist.

Wie meistens steht sie mit ihren Klassenkameradinnen am Rand der breiten Treppe, die vom Pausenhof in das Gebäude führt. Hier haben sie den besten Überblick, sehen und gesehen werden. Am Ende der Pause läuft Thomas mit seinen Freunden an ihr vorbei, er schaut ihr in die Augen, sonst keine besondere Regung. „Hier, eben, der Dunkelhaarige, das war er!“ Silke H. faucht sie direkt an:    „ du erzählst wieder einen Scheiß! Wenn der dein Freund wäre, dann wäre er jetzt hergekommen und hätte Hallo gesagt!“ Erika weiß mal wieder keine Antwort. Sie fühlt sich getroffen und sie schämt sich. Silke! Die kennt sich wohl aus, sie ist schon lange mit Heino zusammen. Erika kennt sich gar nicht aus. Ist dann Thomas vielleicht doch eher ein freundlicher Bekannter? Wahrscheinlich hat Erika die Situation völlig falsch eingeschätzt. Es gibt ja auch überhaupt keinen Grund für ihn, auf sie abzufahren